Kiefernteer und Teerfarben – traditionelles Holzschutzmittel
Unter den verschiedenen Holzschutzmitteln können sich nur wenige einer so langen und überzeugenden Geschichte rühmen wie Kiefernteer. Dies wird durch die vielen Holzgebäude und -konstruktionen in Skandinavien und im Baltikum belegt, die eine über 100-jährige Geschichte haben und bis heute hervorragend erhalten sind.
In diesem Artikel werden wir untersuchen, was Kiefernteer genau ist, wie er Holz schützt und in welchen Fällen seine Verwendung am besten geeignet ist.

Ein Holzschutzmittel mit jahrhundertealter Geschichte
An den Küsten Schwedens und Norwegens finden sich noch immer Holzkirchen, Bootshäuser und Wohngebäude, die über hundert Jahre alt sind, einige sogar mehrere Jahrhunderte. Viele von ihnen wurden ihr ganzes Leben lang nur mit Kiefernteer geschützt, indem die Oberfläche alle 10–20 Jahre erneut beschichtet wurde.
Ähnliche Traditionen gibt es auch in den baltischen Staaten. In Lettland, Litauen und Estland herrschen ähnliche klimatische Bedingungen – feuchte Herbste, kalte Winter und Holz, das sich ständig unter dem Einfluss von Temperatur und Feuchtigkeit ausdehnt und zusammenzieht. Teer als Holzschutzmittel wurde lange vor dem Aufkommen synthetischer Beschichtungen weit verbreitet eingesetzt.
Was genau ist Kiefernteer?
Kiefernteer wird gewonnen, indem harzreiches Kiefernholz – meist Stümpfe und Wurzeln – langsam unter begrenztem Sauerstoff erhitzt wird. Durch die Hitze werden die natürlichen Harze und Öle aus dem Holz freigesetzt, wodurch eine dicke, dunkle Flüssigkeit entsteht.
Das Ergebnis ist Kiefernteer, ein Produkt ohne synthetische Lösungsmittel und ohne künstliche Biozide. Tatsächlich ist es das natürliche Schutzsystem des Holzes selbst.
Dies erklärt auch die Eigenschaften des Teers. Eine lebende Kiefer schützt beschädigte Stellen mit Harz, um das Eindringen von Wasser und fäulniserregenden Organismen zu verhindern. Kiefernteer bietet denselben Schutz für Zäune, Fassaden, Dächer und andere Holzkonstruktionen.
Wie schützt Kiefernteer Holz?
Die meisten modernen Holzbeschichtungen bilden einen Film auf der Oberfläche. Kiefernteer wirkt anders – er dringt tief in das Holz ein und schützt es von innen gegen Feuchtigkeit, Fäulnis, Schimmel und Schädlinge.
Feuchtigkeit
Feuchtigkeit ist die Hauptursache für fast alle Holzprobleme. Wenn Holz Wasser aufnimmt, quillt es auf, und beim Trocknen schrumpft es. Dieser Zyklus, der sich über Jahre hinweg wiederholt, führt zu Verformungen, Rissen und letztendlich auch zu Fäulnis.
Die in Kiefernteer enthaltenen Harz- und Fettsäuren stoßen Wasser auf natürliche Weise ab und reduzieren dessen Aufnahme in die Holzfasern. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Teerbeschichtung keinen hermetisch abgeschlossenen „Film“ bildet. Sie lässt weiterhin Feuchtigkeit von innen verdunsten.
Das Holz „atmet“ weiter. Moderne Beschichtungen verhindern oft, dass Feuchtigkeit aus den Holzporen entweicht, was ideale Bedingungen für die Entwicklung von Fäulnis schafft. Teer hilft, dieses Problem zu vermeiden.
Fäulnis
Fäulnis wird durch Pilze verursacht, die Feuchtigkeit und eine organische Umgebung benötigen.
Kiefernteer wirkt in zwei Richtungen: Er reduziert den Feuchtigkeitsgehalt des Holzes und enthält phenolische Verbindungen – Substanzen mit natürlichen antiseptischen Eigenschaften. Diese Verbindungen hemmen die Entwicklung von Fäulnispilzen.
Weniger Feuchtigkeit und eine ungünstige Umgebung bedeuten, dass das Risiko der Fäulnisbildung erheblich reduziert wird.
Schimmel
Die gleichen phenolischen und sauren Verbindungen, die die Entwicklung von Fäulnis hemmen, helfen auch, die Bildung von Schimmel und anderen Oberflächenmikroorganismen zu begrenzen.
Schimmel benötigt eine feuchte Umgebung. Eine atmungsaktive, wasserabweisende und leicht antiseptische Oberfläche ist dafür nicht geeignet.
Holzwürmer und andere Schädlinge
Die stark harzige Struktur von Kiefernteer macht das behandelte Holz weniger attraktiv für Holzwürmer und andere holzzerstörende Insekten.
Teer ist kein Insektizid und sollte nicht als Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet werden. Die harzreiche, antiseptische Oberfläche hilft jedoch, Schädlinge davon abzuhalten, sich in unbehandeltem Holz niederzulassen.
Das ist einer der Gründe, warum Kiefernharz und Teer seit Jahrhunderten zum Schutz von Schiffsrümpfen, Werkzeugstielen und anderen Holzprodukten verwendet werden.
Elastischer Schutz
Teer bildet eine sehr elastische Beschichtung. Es dringt tief in das Holz ein, reißt nicht und „bewegt“ sich mit dem Holz unter dem Einfluss saisonaler Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.
Es blättert nicht ab und reißt nicht wie viele synthetische Farben. Daher ist die Pflege viel einfacher – der alte Anstrich muss vor dem Überstreichen nicht entfernt werden. Die Oberfläche wird gereinigt und eine neue Teerschicht aufgetragen.
Welches Produkt wählen?
Reiner Kiefernteer (Furutjära)
Traditioneller schwedischer Kiefernteer in seiner reinsten Form. Es ist die klassische Wahl für Holzdächer und Fassaden sowie die Grundlage für die Herstellung verschiedener Mischungen.
Bei reiner Anwendung sorgt es für ein authentisches Ergebnis, erfordert jedoch mehr Erfahrung beim Auftragen. Es muss vor dem Auftragen erhitzt werden und trocknet je nach Wetterbedingungen von mehreren Tagen bis zu einer Woche.
Teeröl (Tjärolja 20/80)
Eine Mischung aus Kiefernteer und kaltgepresstem Leinöl.
Leinöl verbessert die Aufnahme in das Holz, während Teer als natürliches Antiseptikum wirkt. Die Kombination dieser beiden Komponenten bietet langanhaltenden Schutz vor Feuchtigkeit, Schimmel, Fäulnis und Schädlingen.

Geeignet für Fassaden, Terrassen, Zäune, Gartenmöbel und Dächer.
Teerfarben (Roslagsmahogny und Silvertjära Altan)
Zusätzlich zu Teer enthalten diese Produkte kaltgepresstes Leinöl, Balsamterpentin und natürliche Mineralpigmente.

Das Ergebnis ist eine dekorative Beschichtung, die das Holz gleichzeitig schützt und seine Textur sichtbar erhält.
Erhältlich in Schwarz, Rotbraun und Silbergrau.
Balsamterpentin
Ein natürlicher Kiefernharzverdünner, der zur Verdünnung von Teerölen und Teerfarben verwendet wird, um ein tieferes Eindringen in das Holz zu erreichen und den Trocknungsprozess zu beschleunigen.
Wo ist Kiefernteer am besten geeignet?
Kiefernteerprodukte sind am besten für Außenarbeiten geeignet, um natürlichen Schutz für verschiedene Holzkonstruktionen zu bieten:
- für Holzfassaden;
- für Holzdächer;
- für Terrassen und Stege;
- für Zäune und Zaunpfähle;
- für Gartenmöbel;
- für Sommerhäuser und andere wetterexponierte Holzkonstruktionen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Teer unbehandeltes oder zuvor mit Teer behandeltes Holz benötigt. Er kann nicht in Oberflächen eindringen, die bereits mit modernen Filmfarben oder Lacken beschichtet sind.
Einige Tipps zur Anwendung von Teerprodukten
Da es sich um vollständig natürliche Produkte ohne chemische Trocknungsbeschleuniger handelt, benötigen sie Zeit.
Je nach Wetterbedingungen kann das Trocknen ein bis drei Tage oder sogar länger dauern. Am besten plant man die Arbeiten bei warmem und trockenem Wetter – im späten Frühling oder Sommer.
Teer sollte mit einem Pinsel aufgetragen werden. Er ist zu dickflüssig und viskos für eine effektive Sprühapplikation.
Frischer Teer hat einen charakteristischen Geruch. Dieser verflüchtigt sich allmählich, doch für viele ist genau dieser Geruch mit gut gepflegtem Holz verbunden.
Warum vertraut man Kiefernteer immer noch?
Moderne Farben haben sicherlich ihren Platz. Doch Kiefernteer und moderne Beschichtungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Viele synthetische Farben bilden einen Schutzfilm, der das Holz von der Umgebung abschirmt. Dagegen dringt Kiefernteer tief in die Holzporen ein und stärkt es von innen – er stößt Wasser ab, hemmt Fäulnis und Schimmelbildung, schützt vor Schädlingen und bewahrt die Elastizität in allen Jahreszeiten.
Dieser Ansatz hat geholfen, skandinavische und baltische Holzgebäude über ein Jahrhundert lang zu erhalten. Und er funktioniert auch heute noch.